Unsere Antworten auf Fragen zu Ortenberg für das „Offenburger Tageblatt“

 

 

1.   Bringt die Ortsumgehung eine wirkliche Entlastung für Ortenberg?

 

Wir sprechen eher von einer Teilortsumgehung, da zunächst nur der Bereich entlastet wird, der auch tatsächlich umfahren werden kann. Also der Teil ab dem alten Rathaus in Richtung Offenburg. Alle Fahrzeuge, die von der B33 und aus Richtung Elgersweier kommend jetzt unseren Ort in Richtung Offenburg durchfahren, werden zukünftig nicht mehr durchs Dorf fahren. Es besteht allerdings die Hoffnung dass auch im südlichen Bereich Ortenbergs eine Minderung des Verkehrsaufkommens eintritt, wenn nach dem Ausbau der B33 die Zu- und Abfahrt von und nach Offenburg weniger hinderlich ist. Dann kann auch die Nordspange in Gengenbach/Reichenbach ihre eigentliche Funktion erfüllen, nämlich die Verkehrsentlastung der Ortsdurchfahrten von Ohlsbach und Ortenberg. In engem Zusammenhang mit der Umgehung ist eine intelligente und anspruchsvolle Umgestaltung unserer Hauptstraße zu sehen, die einerseits den lästigen Durchgangsverkehr begrenzt und andererseits die Attraktivität der Einkaufsmöglichkeiten erhält bzw. durch mehr Parkraum steigert.

 

2.     Wie muss sich Ortenberg in der Hauptschuldebatte aufstellen?

Die Antwort des Gemeindrates auf die Hauptschuldebatte kann keine Standortdiskussion sein, sondern muss die Frage beantworten, welchen schulischen Rahmen können/müssen wir unseren Hauptschülern bieten, damit sie erfolgreich im Berufsleben ankommen. Die Frage heißt also: Welches ist das beste schulische Angebot für unsere Kinder? Mit der neuen Werkrealschule wird auch für Schüler mit Hauptschulempfehlung die Möglichkeit geschaffen in einer eigenständigen Schulart bis in Klasse 10 den mittleren Abschluss zu erlangen. Damit haben sie einerseits die gleichen schulischen Anschlussmöglichkeiten wie die Realschüler und andererseits durch die enge Verzahnung mit der Berufsfachschule im 10. Schuljahr eine berufliche Grundbildung, die ihnen als Bewerber auf dem Lehrstellenmarkt sicherlich von Nutzen sein wird. Die Antwort auf die oben gestellte Frage heißt also: Wir müssen unseren Hauptschülern die Werkrealschule anbieten! Leider bringt der bestehende und bisher sehr erfolgreiche Schulverbund mit Ohlsbach nicht die notwendigen Schülerzahlen für die Errichtung einer Werkrealschule zusammen. Für Ortenberg bietet sich deshalb die Möglichkeit mit Durbach, Rammersweier, Zell-Weierbach und Fessenbach gemeinsam eine solche Schule zu gründen. Bei diesem Modell könnten die Klassen 5 und 6 weiterhin in Ortenberg unterrichtet werden und würden dann ab Klasse 7 bis 10 nach Zell-Weierbach gehen und dort ihren Werkrealschulabschluss machen. Die Verhandlungen unserer Gemeinde sollten in diese Richtung geführt werden, um auch für unsere Hauptschüler den besten Weg zum Einstieg ins Berufsleben zu schaffen.

3.
   Der katholische Kindergarten stößt an seine Kapazitätsgrenze: Wie soll es weitergehen?

 

Der katholische Kindergarten St. Elisabeth ist ein Beispiel für eine erfolgreiche pädagogische Arbeit mit Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren in Ortenberg. Politische Gemeinde, Pfarrei und Kindergartenleitung arbeiten hier intensiv und konstruktiv zusammen und stellen sich den jährlich wachsenden Anforderungen. Trotz sinkender Geburtenrate muss sich der Kindergarten jetzt und in den kommenden Jahren drei Herausforderungen stellen:

a) Unser Kindergarten hat bereits seit 2007 eine Gruppe, in der Kinder unter drei Jahren betreut werden, jedoch decken diese zehn U3-Plätze nicht den ansteigenden Ortenberger Bedarf. Wir brauchen ein bis zu dreigruppiges, eigenständiges U3-Konzept bis 2013.

b) Im Kindergarten müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden für die Umsetzung des Orientierungsplanes.

c) Ab 2010 ist ein Tagesstättenbetrieb zu gewährleisten.

d) Die Zusammenarbeit mit der Ortenberger Grundschule ist auch im Zusammenhang mit nutzbarer Raumkapazität auszubauen.

4.
   Braucht Ortenberg einen Bahnhalt -- und wie ist dies durchsetzbar?

 

Es wäre wünschenswert, wenn in Ortenberg eine Bahnhaltestelle wäre, die nicht unbedingt am alten Bahnhofsgelände sein sollte, sondern mehr zur Dorfmitte angelegt sein könnte. Für die Ortenberger Schüler und Pendler würde ein solcher Bahnhalt eine bessere Anbindung an Schulen und Betriebe möglich machen. Ebenso wäre er für die touristische Erschließung unserer Gemeinde von Vorteil. Die Frage der Durchsetzbarkeit hängt jedoch eng mit der Antwort zur Wirtschaftlichkeit zusammen. Nach einer Bedarfsanalyse müsste der Betreiber eine Kosten- Nutzenrechnung aufstellen, um so den möglichen. Bedarf an öffentlichen Mitteln festzustellen. Nach Vorlage dieser Fakten und Zahlen muss der Gemeinderat prüfen wie eine solche Maßnahme zu stemmen sein könnte, wobei der Haushalt einer Gemeinde nicht unbegrenzt belastbar ist.

 

5)     Bürger fordern einen Fußgängerüberweg im Bereich des Bahnhofs -- wie haben Sie dieses Anliegen unterstützt?

 

Die Forderung nach einer Querungshilfe in diesem Bereich war schon im Bürgermeisterwahlkampf ein Thema und wurde von Mitgliedern unserer Liste gefordert. In den nachfolgenden Wochen wurden 151 Unterschriften gesammelt, und auf dem Rathaus übergeben, um der Forderung Nachdruck zu verleihen und im Rahmen einer Verkehrsschau einer möglichen Lösung zuzuführen. Zu dieser Verkehrsschau wurde von uns nochmals zu einer Willenskundgebung aufgerufen, und so machten ca. 30 Personen den Vertretern der entscheidenden Behörden vor Ort die Notwendigkeit eines Fußgängerüberwegs deutlich. An Ort und Stelle konnten mögliche Lösungen durchgesprochen werden, die im Rahmen der Vorbesprechungen im Rathaus schon angedacht worden sind. Hierbei kristallisierte sich die Anlage einer Fußgängerampel als Quersicherung heraus, die dann auch vom Straßenverkehrsamt befürwortet wurde. Um den zeitnahen Bau dieser Lichtsignalanlage wurde auch von Seiten der Gemeindeverwaltung gebeten.

6.
   Ortenberg galt früher als Fremdenverkehrsort -- heute nicht mehr: Muss hier gegengesteuert werden?

 

Das Thema „Fremdenverkehr“ muss unserer Ansicht nach grundsätzlich und neu überdacht und danach eine touristische Infrastruktur konstruktiv und sorgfältig aufgebaut werden. Dazu gehören verschiedene Eckpunkte, die zu schaffen bzw. mitzuwirken eine Aufgabe der Gemeinde wäre. Als zentrale Anlaufstelle wäre die Gründung eines örtlichen Tourismus- und Verkehrsvereins denkbar, der eng an die Gemeinde angebunden ist und die Mitwirkenden, also Gastronomie, Zimmeranbieter, Vereine, Winzer, usw., mit einbindet. Dort wäre eine übersichtliche Erfassung der vorhandenen Übernachtungsmöglichkeiten notwendig, um diese auf einer eigenen Plattform anzubieten. Hierbei ist neben der üblichen Prospektwerbung vor allem ein eigener Internetauftritt als Medium zu nutzen. Dies würde auch die Möglichkeit eröffnen, sich in die schon vorhandenen touristischen Netzwerke einzubinden und an deren Werbekapazität teil zu haben.
Der Aufbau eines nachhaltigen, sanften ländlichen Tourismus wird durch verschiedene Landes- und EU-Projekte auch finanziell gefördert. Als Beispiele wären das Landessanierungsprogramm und das EU-Interregprogramm zu nennen. Als mögliche Aktionen wäre die Errichtung eines historischen Lehrpfades im Bereich des „Kügeles Kopf“ ebenso denkbar wie die Anlage eines Wein- und Kulturpfades, der die Besonderheiten unserer landwirtschaftlichen Kulturlandschaft dem Besucher näher bringt. Unter diesem Aspekt wäre auch die Einrichtung eines Tourismusbüros denkbar. Hier könnten neben der Zimmervermittlung auch kulturelle und andere Aktivitäten angestoßen und koordiniert werden.

7.
   Wie sehen Sie die Zukunft der Seniorenarbeit im Ort? Reicht eine Nachbarschaftshilfe aus?

In unserer Zukunftswerkstatt und in unserem Programm zur Gemeinderatswahl haben wir zwei Säulen der Seniorenarbeit definiert. Zum einen der Aufbau eines sozialen Netzwerkes, das weit über die einfache Nachbarschaftshilfe hinausreicht und neben der Hilfe für Senioren auch andere soziale Aspekte berücksichtigt. Hier ist die Diskussion schon sehr weit fortgeschritten und wird mit öffentlichen Mitteln auch finanziell unterstützt. Eine Vereinsgründung, mit dem Ziel ein soziales Netzwerk in Ortenberg (SONO) aufzubauen und zu führen, steht in nächste Zeit bevor. Dieses soziale Netzwerk als Gemeinde zu unterstützen und zu fördern wird sicherlich eine wichtige Aufgabe des kommenden Gemeinderates sein. Allerdings wird es trotz aller Hilfeleistungen von außen in Zukunft immer mehr ältere Menschen geben, die auf eine umfassendere Betreuung und Pflege angewiesen sein werden. Für diese Senioren sehen wir uns in der Pflicht auch in der eigenen Gemeinde ein Angebot zu schaffen. Es gilt nach einem Investor zu suchen, der in Ortenberg ein attraktives Seniorenzentrum baut und betreibt. Nachdem ein schon geplanter Bauplatz im „Weizenfeld“ zugunsten „normaler“ Bauplätze herausgenommen wurde, hat der Gemeinderat als möglicher Standort den Bereich zwischen Kirche, Schlossberghalle und „Untere Matt“ ins Auge gefasst.


8.
   Wie würden Sie das Schloss Ortenberg für Besucher attraktiver machen?

 

Da „Schloss Ortenberg“ im Eigentum des Deutschen Jugendherbergwerks ist kann alles, was von Seiten der Gemeinde angeboten werden kann, nur im Einvernehmen mit dem Herbergswerk geschehen. Dies ist zentrale Voraussetzung für unsere weiteren Vorstellungen.
Denkbar wäre eine mehrsprachige Beschilderung an wichtigen Stellen des Schlosses. Da viele Besucher des Schlosses auch aus dem nahen Elsass kommen wäre neben der deutschen Sprache auch eine Erklärung in französisch und als besondere Variante in alemannisch denkbar. Insgesamt ist eine museale und kulturelle aber auch mehr gastronomische Ausrichtung vorstellbar. Hier könnte z.B. der Rosengarten als Ort für kulturelle Auftritte oder die Einrichtung eines „Schlosscafés“ im unteren Bereich eine Anregung sein.
Insgesamt wäre wichtig, die Bekanntheit und Attraktivität von „Schloss Ortenberg“ auch in ein örtliches Tourismuskonzept einzubinden.