Zunsweier    
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RÖMERBAD UND KASTELL, VICUS (Siedlung) ZUNSWEIER

Vor rund 2000 Jahren war der Kaiser von Rom über die Existenz und Lage von Zunsweier informiert.

Weshalb war das so?

Auf dem Gebiet d es  heutigen Zunsweier war ein für unser Gebiet wichtiger militärischer Standort (Kastell) installiert, der für die römische Besatzungsmacht eine herausragende Rolle spielte.

Die Gründung des Kastells und Bads gehen vermutlich auf die Initiative von Kaiser Vespasian Anfang der 70er und 90erJahre des 1. Jahrhunderts (n.Ch.) zurück. Hierbei wurde sich strikt an einen vorgegebenen Bauplan gehalten. Aufgrund römischer Münzen älteren Datums, kann eine frühere römische Siedlung als realistisch angesehen werden. Lediglich die Fundamente der Häuser waren aus Stein gefertigt. Leimen, Flecht- und Fachwerk waren weitere Baumaterialien. Bei ihrem Abzug wurde alles an Wertvollem abgebaut. Neben Leitungen und  Hähnen aus Buntmetall  wurden auch Balken, Backsteine und Leistenziegel abtransportiert.                      Die topographisch  günstige Lage (Hochfläche im Süden) am Talausgang der Kinzig dürfte für den Standort von entscheidender Bedeutung gewesen sein, wie Epochen später für die dort stationierten Flakbatterien der deutschen Luftwaffe im 2. Weltkrieg.  Gemeinsam  mit dem am  nördlichen Rand des Kinzigtals  gelegenen Kastell von Rammersweier  galt es den Ausgang der Schwarzwaldpassage in die Rheinebene zu überwachen und die am Bau beteiligten Truppen zu beherbergen. Ziegelstempel der I. Legion (adiutrix und XlV gemina) geben u.a. den Hinweis darauf, dass das Bad in frühflavischer Zeit in Benutzung war. Beim Typus des Bades handelte es sich um einen frühen Vertreter des „Reihentyps“, bei dem die einzelnen Baderäume  in Kaltbad, Laubad und Warmbad gegliedert waren.

Obwohl oberflächlich nichts mehr zu sehen ist, wurde das Kastell 1989 samt Bad im Denkmalbuch  eingetragen.

Allgemein: Seit über 200 Jahren kamen immer wieder römische Funde in Offenburg zum Vorschein.

So der Grabstein, des Centurios Lucius Valerius Albinus oder der „Offenburger Meilenstein“, welcher den Straßenbau von Straßburg (Argentorate)nach Raetien (Schweiz) bezeugt. Die oben erwähnten Kastelle wie auch der Meilenstein lassen darauf schließen, dass um 74 n. Chr. eine Straße durchs Kinzigtal (ab argentorate in r(raetiam) am Kreuzungspunkt mit der Rheintalstraße  ( Nord-Südverbindung Mainz-Basel) existierte.

Auch darf aufgrund zahlreicher Funde, wie dem „Spitzgraben“ in der Offenburger Kornstraße auf ein dortiges Militärlager geschlossen werden.

Spekuliert werden darf auch aufgrund des quadratischen Maßes des Schimmelturms (Fundament) des Ortenberger Schlosses, sowie eines neuerlichen römischen Münzenfundes, ob dieser in römischer Zeit als Signalturm konzipiert wurde.

Neben der vespasianischen Kinzigtalstraße sei an dieser Stelle auch auf die römische Binnenschifffahrt auf der Kinzig   hingewiesen, die durch eine Uferbefestigung (um 74 n.Chr.) in der Offenburger Flussniederung hingewiesen wird. Global gesehen kann man in der Retrospektive die bedeutende strategische Rolle des Offenburger Raums im Vorfeld des Straßburger Legionslager herausstellen.                                        

 Bild1): Bei den Ausgrabungenin Zunsweier wurde ein Ziegelstück mit dem Stempel der Legion XIV Gemina und ein Ziegelstück mit einer eingeritzten Fischdarstellung gefunden.

 

         

 Bild 2)

Silberne phalera MIlitärorden oder Zierscheibe vom Pferdegeschirr) aus dem Vicus (Siedlung) Zunsweier

 

Bild3)

Grundriss Kastell, Kastellbad, Vicus

 

 

Quelle G.Fingerlin, M.Yupanqui

 Historischer Verein Mittelbaden

Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg  ; Theiss Verlag Stuttgart 2005

 
Wenn Sie sich noch mehr für römische Kastelle interessieren, dann finden Sie viele Informationen bei folgenden Link: http://www.jugendheim-gersbach.de/Roemisches-Marsch-Feld-Militaerlager-Kastell.html